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Geleitwort unseres Pfarrers

"Als aber die Zeit erfüllt war,




sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau. " Galaterbrief 4, 4



liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,


mit der Stimmung zum Heiligen Abend bei uns in Kladow und Deutschland hat dieser Spruch wenig zu tun. Es werden keine Hirten, keine Engel mit Jubelgesang, ja nicht einmal die Jungfrau Maria erwähnt. Geradezu nüchtern schreibt Paulus diesen einen Satz. Fast mag es scheinen, an Weihnachten sei er wenig interessiert. Und wenn Gott nicht vorkäme, könnte jede andere Geburt gemeint sein, egal ob von Augustus, von David oder jemand anderem.

Das ist schon bedeutsam. Etwas anderes kommt hinzu: Paulus schreibt klipp und klar von einer vollendeten Zeit, nach der etwas Neues beginnt. Das klingt vertraut. Was unternehmen wir nicht für Anstrengungen und Vorbereitungen, dass wenigstens der Heiligabend ein erfüllter Tag werde mit Geschenken, gutem Essen, Zusammensein in der Familie. Und dann kommen ja auch gleich Silvester und Neujahr. Das Alte wird verabschiedet, man nimmt sich Neues vor. Die Jahresendzeit - vielleicht nicht erfüllte, doch gefüllte Zeit.

Wenn dann da nicht in dem Brief an die Christen in der heutigen Türkei von Gott die Rede wäre. Paulus bedient sich einer symbolischen Sprache, wenn er von Gottes Sohn schreibt. Eigentlich heißt es: Gott wird Mensch. Er, der Schöpfer, wird einer von uns. Das war in der damaligen Zeit kaum oder gar nicht zu fassen, und auch heute ist es nicht anders. Gott kommt uns nahe. Im Johannesevangelium heißt es fast noch abstrakter: Gott, das Wort, wohnte unter uns. Sie merken vielleicht, es geht gar nicht allein um die Christgeburt - es geht um Jesus selbst, seine Geburt, sein Leben und Wirken, sei nen Tod und Ostern. Gott setzt ihn ins Recht. Deshalb formuliert Paulus " als die Zeit ihre Fülle hatte': Johann Sebastian Bach vertonte deshalb den Satz: "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit':

Jesus ist der Riss im Himmel. Wir können Gott schauen. Das bedeutet Weihnachten.

Müssen wir nun Abschied nehmen vom Stall, von den Hirten mit ihren Schafen, den Weisen aus dem Morgenland, der Krippe, den Engeln und der Gottesmutter, wie Maria seit 451 post Christe natum genannt wurde? Ich bin der Überzeugung, dass alle Geschichten in der Bibel sowie die Tradition eine Fortschreibung dieses paulinischen Satzes sind. Die so genanten Heiligen Drei Könige, Ausländer würden wir sagen, finden ihren Ort. Hirten kommen, gesellschaftliche Außenseiter finden sich ein. Die Eltern kommen aus kleinsten Verhältnissen. Und dann die außereheliche Geburt. Gott wird Mensch durch eine ganz normale Frau, von Jungfrau kein Wort. Das ist das Wunder und auch das Ärgernis der Christgeburt. Ein Stall wird zur zeitweisen Heimat. Mit der Flucht nach Ägypten beginnt der Leidensweg. Weihnachten wirft sein Licht voraus auf Ostern. Wie Weihnachten, so noch mehr zu Ostern, bricht sich das Licht des Lebens Bahn.

Ich wünsche Ihnen mit dieser Aussicht gesegnete Weihnachten,

Ihr Pfarrer Martin Kusch

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